Eine Fehlerquote ist erst dann hilfreich, wenn klar ist, was gezählt wurde. Sind es fehlerhafte Aufträge, einzelne Mängel oder verletzte Anforderungen? Bei Six Sigma wird häufig mit Fehlern pro Million Fehlermöglichkeiten gearbeitet. Für Ihre Prozesssteuerung lohnt es sich, diese Bezugsgrössen auseinanderzuhalten: Eine sinkende Zahl kann eine Verbesserung zeigen oder lediglich eine veränderte Zählweise.
Was bedeuten 3,4 Fehler pro Million?
ASQ nennt 3,4 Fehler pro Million Fehlermöglichkeiten als numerisches Six-Sigma-Ziel. Als Prozentwert sind das 3,4 ÷ 1’000’000 × 100 = 0,00034 %. Dieser Rechenwert beschreibt eine Zielkonvention. Er ist weder ein garantierter Projekterfolg noch eine zugesicherte Leistung nach einem Kurs. Aus dem Namen einer Methode lässt sich die tatsächliche Qualität Ihres Prozesses nicht ablesen.
Verwenden Sie den Wert deshalb zur Einordnung einer Kennzahl. Für eine Entscheidung über Freigaben, Kontrollen oder Verbesserungen brauchen Sie Ihre eigenen Anforderungen und Messdaten. Der Zusammenhang zwischen statistischem Sigma-Level und Fehlerrate hängt von Modellannahmen ab; eine pauschale Umrechnungstabelle ersetzt deren Prüfung nicht.
Drei Kennzahlen mit unterschiedlichen Nennern
| Kennzahl | Berechnung | Wichtige Frage |
|---|---|---|
| Anteil fehlerhafter Einheiten | Fehlerhafte Einheiten ÷ geprüfte Einheiten | Hat eine Einheit mindestens einen Fehler? |
| Fehler pro Einheit | Einzelfehler ÷ geprüfte Einheiten | Wie viele Fehler treten insgesamt auf? |
| DPMO | Einzelfehler ÷ untersuchte Fehlermöglichkeiten × 1’000’000 | Welche Anforderungen wurden je Einheit geprüft? |
Eine Rechnung mit mehreren fehlenden Pflichtangaben bleibt eine fehlerhafte Rechnung, kann aber mehrere Einzelfehler enthalten. Wer beide Zahlen vermischt, verliert die Grundlage für einen belastbaren Vergleich. Legen Sie ausserdem fest, ob Sie den ersten Zustand oder den Zustand nach einer Korrektur zählen.
Fiktives Rechenbeispiel: Aufträge mit drei Anforderungen
Die folgenden Zahlen sind frei gewählt und beschreiben keinen Kundenfall. Ein Team prüft 1’000 Aufträge anhand von jeweils drei vorab festgelegten Anforderungen. In 20 Aufträgen findet es insgesamt 30 einzelne Fehler. Für diese Auswertung ergeben sich:
- 20 ÷ 1’000 = 2 % fehlerhafte Aufträge.
- 30 ÷ 1’000 = 0,03 Fehler pro Auftrag.
- 30 ÷ (1’000 × 3) × 1’000’000 = 10’000 DPMO.
Die Ergebnisse widersprechen sich nicht. Sie beantworten verschiedene Fragen. Werden im nächsten Monat zusätzliche Anforderungen geprüft, muss dieser Wechsel dokumentiert werden. Mehr Fehlermöglichkeiten im Nenner können DPMO rechnerisch verkleinern, obwohl sich die Arbeit nicht verbessert hat. Vergleichen Sie daher nur Auswertungen mit derselben Definition.
Checkliste vor der ersten Messung
- Einheit: Benennen Sie den Vorgang oder das Produkt, das Sie zählen.
- Anforderung: Beschreiben Sie eindeutig, wann sie erfüllt ist und wann nicht.
- Erhebung: Legen Sie Zeitraum, Datenquelle und Auswahl der geprüften Fälle fest.
- Vollständigkeit: Halten Sie fehlende Werte und nicht prüfbare Merkmale separat fest.
- Vergleichbarkeit: Trennen Sie Prozessvarianten, wenn ihre Anforderungen unterschiedlich sind.
- Verantwortung: Bestimmen Sie, wer Grenzfälle beurteilt und die Definition pflegt.
Lassen Sie zwei Personen einige identische Fälle unabhängig bewerten. Abweichende Urteile sind ein Anlass, die Prüfkriterien zu schärfen. Ein Diagramm mit vielen Nachkommastellen hilft wenig, wenn das Team unter einem Fehler jeweils etwas anderes versteht.
Von der Zahl zur beruflichen Entscheidung
Besprechen Sie neben der Häufigkeit auch die Folgen: Welche Fehler erfordern Nacharbeit, welche erreichen Kunden und welche gefährden Sicherheit oder verbindliche Anforderungen? Seltene schwerwiegende Fehler verdienen Aufmerksamkeit, auch wenn eine Gesamtrate niedrig ist. Eine Kennzahl ersetzt diese Beurteilung nicht.
Für die Ursachenarbeit ordnen Sie Fehler zunächst nach Art und Prozessschritt. Dokumentieren Sie anschliessend, welche Änderung Sie testen und woran Sie ihre Wirkung erkennen. Der Ratgeber Six Sigma in Unternehmen einführen behandelt die Projektorganisation. Zur Vertiefung finden Sie die Lean-Six-Sigma-Angebote, den Green-Belt-Kurs und die Übersicht zur Lean Ausbildung in der Schweiz. Fragen zu Ihrer Ausgangslage können Sie über Kontakt klären.
Häufige Fragen zur Fehlerquote
Sind 3,4 DPMO gleich 0,0034 %?
Nein. 3,4 pro Million entsprechen 0,00034 %. Für die Prozentrechnung teilen Sie durch eine Million und multiplizieren mit 100.
Ist DPMO der Anteil fehlerhafter Produkte?
Nein. DPMO bezieht sich auf einzelne Fehler und untersuchte Fehlermöglichkeiten. Ein Produkt kann mehrere Fehler aufweisen.
Beweisen null beobachtete Fehler einen fehlerfreien Prozess?
Nein. Die Aussage gilt zunächst für die geprüften Fälle. Dokumentieren Sie Stichprobe und Zeitraum, bevor Sie weitergehende Schlüsse ziehen.
Welches Qualitätsziel sollte unser Team wählen?
Leiten Sie das Ziel aus Kundenanforderungen, Fehlerschwere und Ausgangsdaten ab. Übernehmen Sie keine Zielzahl ohne Prüfung Ihres Prozesses.


