Skip to content Skip to sidebar Skip to footer

Change Management Modelle: Kotter und ADKAR gezielt auswählen

Eine neue Arbeitsweise verändert mehr als einen Ablaufplan. Menschen müssen verstehen, warum sie notwendig ist, was sie künftig tun sollen und welche Unterstützung sie dafür erhalten. Change Management Modelle helfen, diese Fragen systematisch zu bearbeiten. Für Schweizer Unternehmen ist die passende Anwendung im konkreten Vorhaben entscheidend.

Dieser Artikel vergleicht zwei unterschiedliche Perspektiven: Kotter richtet den Blick auf die Führung einer organisatorischen Veränderung, ADKAR auf deren Übernahme durch einzelne Menschen. Sie können beide Perspektiven verbinden, sofern Rollen und Entscheidungen im Projekt klar bleiben.

Kotter: Gemeinsam eine Veränderung bewegen

Kotter beschreibt acht Schritte beziehungsweise weiterentwickelte Beschleuniger: Dringlichkeit schaffen, eine Führungskoalition bilden, eine strategische Vision formulieren, Beteiligung mobilisieren, Hindernisse beseitigen, kurzfristige Erfolge erzielen, die Veränderung weitertragen und sie verankern.

Für Ihre Arbeit hilft diese Perspektive, wenn mehrere Bereiche gemeinsam handeln müssen. Prüfen Sie, ob die verantwortlichen Personen ein einheitliches Ziel vertreten und über die nötigen Entscheidungsrechte verfügen. Eine Kommunikationskampagne kann fehlende Zuständigkeiten oder widersprüchliche Prioritäten nicht auflösen.

ADKAR: Individuelle Hürden unterscheiden

Prosci beschreibt ADKAR anhand von Awareness, Desire, Knowledge, Ability und Reinforcement: Verständnis für die Notwendigkeit, Bereitschaft zur Mitwirkung, Wissen, praktische Fähigkeit und Verstärkung der neuen Arbeitsweise.

Nutzen Sie diese Unterscheidung für gezielte Gespräche. Wer den Zweck noch nicht versteht, braucht eine andere Unterstützung als jemand, der die neue Aufgabe kennt, aber nicht ausführen kann. Sprechen Sie nicht vorschnell von Widerstand, wenn Zugriffsrechte, Arbeitsmittel oder Übungszeit fehlen.

Welche Frage beantwortet welches Modell?
PerspektiveNützliche LeitfragePraktischer Prüfpunkt
KotterWie bringen wir die Organisation gemeinsam in Bewegung?Führung, gemeinsames Ziel und Hindernisse zwischen Bereichen
ADKARWas braucht die einzelne Person, um die Veränderung anzuwenden?Verständnis, Bereitschaft und tatsächliche Ausführbarkeit

Die Modellauswahl mit der Aufgabe beginnen

Beschreiben Sie zuerst die Veränderung in der Sprache des Arbeitsalltags. Wer erledigt künftig welchen Schritt anders? Welche Entscheidungen verschieben sich? Was muss weiterhin zuverlässig funktionieren? Ohne diese Beschreibung bleibt die Wahl eines Modells abstrakt.

Bei einer bereichsübergreifenden Neuorganisation kann die gemeinsame Führung im Vordergrund stehen. Bei der Einführung eines neuen Arbeitsschritts kann die individuelle Anwendung entscheidend sein. Beides sind Prüfheuristiken: Die passende Kombination hängt von den tatsächlich beobachteten Hürden ab.

Eine praktische Checkliste für Ihr Vorhaben

  1. Anlass belegen: Zeigen Sie das Problem, das die Veränderung lösen soll. Trennen Sie Fakten von Erwartungen.
  2. Betroffene einbeziehen: Fragen Sie nach Auswirkungen auf Arbeit, Verantwortung und Zusammenarbeit.
  3. Zielbild erläutern: Beschreiben Sie den künftigen Ablauf mit konkreten Tätigkeiten.
  4. Hindernisse klären: Prüfen Sie Kapazität, Zugänge, widersprüchliche Regeln und Entscheidungslücken.
  5. Anwendung erproben: Lassen Sie Beteiligte echte Aufgaben unter geeigneten Bedingungen bearbeiten.
  6. Rückmeldungen auswerten: Vereinbaren Sie, wie Probleme aufgenommen und Entscheidungen zurückgemeldet werden.
  7. Alltag verankern: Aktualisieren Sie Zuständigkeiten, Unterlagen und Unterstützung nach der Erprobung.

Diese sieben Punkte sind eine redaktionelle Arbeitscheckliste, kein zusätzliches zertifiziertes Change-Modell. Passen Sie sie an Ihren Umfang an. Eine kleine Ablaufänderung benötigt andere Unterlagen als die Zusammenführung mehrerer Organisationseinheiten.

Kommunikation und Befähigung unterscheiden

Eine Präsentation kann erklären, was geplant ist. Sie zeigt noch nicht, ob Mitarbeitende die neue Aufgabe bewältigen können. Planen Sie deshalb Anwendungsmöglichkeiten, Unterstützung bei Sonderfällen und einen erreichbaren Ansprechpartner. Prüfen Sie an konkreten Aufgaben, wo weitere Hilfe nötig ist.

Für mehrsprachige Teams sollten Informationen in verständlicher Form vorliegen. Klären Sie Begriffe, Übersetzungsbedarf und Zugänglichkeit anhand der beteiligten Personen. Aus einer allgemeinen Aussage über die Schweiz lässt sich der Bedarf Ihres Teams nicht ableiten.

Woran erkennen Sie, dass die Veränderung angenommen wird?

Teilnahmezahlen einer Schulung und geöffnete E-Mails zeigen Aktivitäten. Für die Anwendung sind andere Beobachtungen hilfreich: Wird der neue Ablauf genutzt? Sind Übergaben vollständig? Wo entstehen Umgehungslösungen? Werden fachliche Fehler rechtzeitig erkannt? Legen Sie diese Beobachtungen passend zum Vorhaben fest.

Beim Verbessern bestehender Abläufe unterstützen Business Excellence und Lean Management sowie der Lean-Management-Kurs die fachliche Einordnung. Die Lean-Ausbildungsübersicht hilft bei der Kurswahl. Für fortlaufende Verbesserungen lesen Sie den Ratgeber zum Verbesserungsmanagement. Ihren Bedarf können Sie über Kontakt besprechen.

Häufige Fragen zur Modellauswahl

Welches Change Management Modell ist das beste?

Es gibt keine passende Wahl unabhängig von der Aufgabe. Klären Sie organisatorische und individuelle Hürden, bevor Sie ein Vorgehen festlegen.

Kann ein Team Kotter und ADKAR verbinden?

Ja. Nutzen Sie Kotter zur Orientierung der gemeinsamen Veränderung und ADKAR für individuelle Unterstützungsfragen. Stimmen Sie die Aktivitäten in einem gemeinsamen Plan ab.

Wie reagieren wir auf kritische Rückmeldungen?

Fragen Sie nach konkreten Auswirkungen und fehlenden Voraussetzungen. Dokumentieren Sie, was angepasst werden kann und wer die Entscheidung trifft.

Wie viel Budget braucht die Veränderungsbegleitung?

Ermitteln Sie den Aufwand für Kommunikation, Übung, Unterstützung und Umsetzung anhand Ihres Vorhabens. Ein pauschaler Prozentsatz ersetzt diese Planung nicht.

Fachliche Quellen